Traditionelle Chinesische Medizin
Die Traditionelle
Chinesische Medizin (TCM) ist eine über 2500 Jahre alte Heilkunst. Sie
unterteilt sich in die Verfahren Akupunktur, Moxibustion, Arzneimittelkunde,
Diätetik, Tuina, Qi Gong und Tai Ji Quan. Die Stärke der TCM liegt in der
diagnostischen Möglichkeit, Krankheiten in einem sehr frühen Stadium zu
erkennen. Die Behandlungsschwerpunkte liegen bei chronischen und funktionellen
Störungen.
Was wird behandelt?
Grundsätzlich kann jede
funktionelle Erkrankung mit der Traditionellen Chinesischen Medizin behandelt
werden. Funktionell heißt, dass Körperfunktionen eingeschränkt sind.
Es können z.B.
Erkrankungen der inneren Organe (Lunge, Niere....), des Stoffwechsels, des
Immunsystems, neurologische, aber auch Erkrankungen der Haut und des
Bewegungsapparates behandelt werden. Bei einigen Erkrankungen, wie Krebs kann
die TCM in Kombination mit der westlichen Medizin Erleichterung verschaffen.
Die TCM kann eine effektive Schmerztherapie sein.
Die TCM hat immer zum Ziel
das Qi (sprich:Tschi) zu beeinflussen. Dieses Wort kann am besten mit seiner
Funktion übersetzt werden:
Qi ist
da tätig, wo im Körper etwas gewärmt,
umgewandelt, abgewehrt oder genährt wird.
Wo eine dieser Funktionen zu stark oder zu schwach ist kann mit der TCM
behandelt werden.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die TCM kennt vier
Untersuchungsmethoden:
Sehen:
Die äußere Erscheinung des Patienten und die Zungendiagnose spielen eine Rolle.
Hören: Eine
Anamnese mit Befragung des Patientenbesitzers nach Symptomen und Vorgeschichte
helfen bei der Suche nach der Ursache und der aktuellen Manifestation der
Erkrankung.
Fühlen: Hier
ist die Pulsdiagnose das wichtigste Hilfsmittel. Sie lässt den erfahrenen
Therapeuten Rückschlüsse auf gestörte Meridiane und Organe ziehen. Eine genaue
Untersuchung auf schmerzhafte Punkte und Verspannungen ergänzt die Diagnose.
Riechen: Eine
Veränderung der arttypischen Geruchs wird ebenfalls diagnostisch verwertet.
Aus diesen Erkenntnissen
setzt sich nun ein Bild, auch Muster genannt der individuellen Erkrankung
zusammen. Der Therapeut kann Rückschlüsse auf den ursächlichen Ort der
Erkrankung im Körper ziehen, das bedeutet er weiß wo die Wurzel der Erkrankung
ist. So kann er mehr bewirken, als durch bloße Behandlung der Symptome. Er weiß
wie tief die Erkrankung sitzt und welche Meridiane und Organe betroffen sind.
Welche Verfahren werden in der Behandlung von
Tieren angewendet?
Akupunktur und Moxibustion:
Durch Nadelung oder
Erwärmung festgelegter Punkte des Körpers wird der Fluss der Lebensenergie Qi
reguliert. Das Qi bewegt sich in einem energetischen Netzwerk von Kanälen durch
den Körper. Es verbindet die Akupunkturpunkte und auch die inneren Organe
miteinander und beeinflusst sie. Durch die Nadelung wird der Körper stimuliert
sich selbst ins Gleichgewicht zu bringen. Die Selbstheilungskräfte werden
aktiviert.
Zur Akupunkturbehandlung
werden sehr dünne, sterile Einmalnadeln verwendet. (Dies sind keine Kanülen!)
In der Regel reichen wenige Nadeln das diagnostizierte Ungleichgewicht zu
regulieren. Sie verbleiben 20-30 Minuten. Die Nadelung kann eine leichte
Schmerzreaktion auslösen wird aber in der Regel von allen Tierarten gut toleriert.
Die Moxibustion kann
zusätzlich oder alleine angewendet werden. Es werden Akupunkturpunkte mit dem
Kraut Artemisia vulgaris (Beifuß) erwärmt. Dies geschieht beim Tier indem der
Therapeut eine glühende Moxazigarre in einem Abstand über den Punkt hält. Er
kann auch glühende Moxakegel auf die Nadeln stecken. Dies sollte nur ein
erfahrener Therapeut anwenden.
Arzneimittelkunde:
Die Chinesische
Arzneimitteltherapie verfügt über ein seit über 2000 Jahren erprobtes Wissen.
Es gibt genau festgelegte Regeln, wie Rezepturen erstellt werden. Darin wird
auch die Verträglichkeit der einzelnen Stoffe untereinander geregelt. Verwendet
werden vorwiegend Pflanzenteile, aber auch Mineralien und Tierprodukte. In
Deutschland werden ausschließlich Produkte, die Artenschutz entsprechen
verwendet. Zudem werden alle Stoffe einer genauen Analyse unterzogen, so dass
eine Reinheit gewährleistet ist.
Ich verwende westliche Kräuter, die ich nach den Regeln der Traditionellen
Chinesischen Medizin einsetze.
Wie wirken diese Arzneimittel?
Jeder Stoff hat eine
eigene Geschmacksrichtung: süß, sauer, scharf, salzig, bitter, aromatisch,
neutral, adstringierend (zusammenziehend). Dies ist nicht nur zu schmecken,
sondern auch im Körper zu spüren: salziges trocknet….wir bekommen Durst,
scharfes öffnet die Oberfläche….wir schwitzen. Diese Arzneiwirkung macht sich
der Therapeut zu nutze.
Jedes Arzneimittel wirkt
in bestimmten Leitbahnen und Organen. So kann ein Kraut, das im Blasenmeridian
(verläuft über den Rücken) wirkt, den Rücken unterstützen oder als „Meldekraut“
die Wirkung der anderen Stoffe einer Rezeptur dorthin lenken.
Das Temperaturverhalten
der Kräuter ist ebenfalls wichtig. Es bezieht sich nicht auf die messbare,
sondern auf die wahrgenommene Temperatur. Ingwertee verbreitet im Körper ein
wärmendes Gefühl und da er scharf ist, öffnet er die Oberfläche…der ideale Tee
bei beginnender Erkältung mit deutlichem Kältegefühl.
Jede Rezeptur wird
individuell für den Patienten erstellt und im Verlauf der Behandlung angepasst.
Diätetik
Die Ernährung hat in der Traditionellen Chinesischen Medizin
den größten Stellenwert. „Erst wenn die Ernährungstherapie keine Heilung
bringt, sind Arzneimittel einzusetzen“, sagte ein berühmter chinesischer Arzt.
Genau wie die
Arzneimittel, haben auch die Nahrungsmittel bestimmte Geschmäcker und
Wirkrichtungen, mit denen man Prozesse im Körper sanft und dauerhaft steuern
kann. Das geht auch bei unseren Tieren, wobei der Therapeut hier die der
Tierart entsprechenden Nahrungsmittel optimal zusammenstellt.
Der Geschmack der
Nahrungsmittel hat einen direkten Einfluß auf die Fun ktion der Organe. Saueres
stimuliert die Leber, Bitteres das Herz, Süßes die Milz, Scharfes die Lunge und
Salziges die Niere. Übermäßiger Appetit auf oder Abneigung gegen einen
Geschmack deuten auf ein Ungleichgewicht im entsprechenden Organ hin.
Soweit die Methoden, die
beim Tier zur Anwendung kommen. Der Vollständigkeit halber erwähne ich noch
zwei Methoden der TCM, die wir mit unseren Tieren nicht ausführen können, die
den Menschen aber sehr unterstütze können:
Tuina
Die Tuina ist eine Form
der Massage, die spezielle Reize setzt und so das Qi in den Leitbahnen
beeinflusst und Schmerzzustände lindern kann. Es ist eine der ältesten
manuellen Therapien.
Qi Gong und Tai Ji Quan
Es handelt sich hierbei
um Bewegungslehren. Früher waren sie
Bestandteil meditativer Praktiken, aber auch heute werden sie in China und
vielen Teilen der Welt regelmäßig praktiziert. Die Bewegungsabläufe und
Atemübungen unterstützen den Fluss des Qi im Körper und stärken ihn so, geben
innere Ruhe, Gelassenheit und Entspannung.
Das wiederum fördert auch
die Gesundheit unserer Tiere.